Aus den hier beschriebenen Unfällen lässt sich schließen, dass es bei den doch erheblichen Gefällestrecken Probleme mit den Bremsen gegeben hat. Zu diesen Stellen zählen die sehr lange Abfahrt am Schlossberg bei Mansfeld mit einer scharfen Kurve, auch "Schlange" genannt und der Marktberg sowie die Bahnhofstraße in Eisleben. Andere Quellen führen auf, dass der Wagenführer vor diesen Gefällestrecken kurz anzuhalten hatte und erst dann langsam weiter fahren durfte. Eine solche Anweisung mag zwar hilfreich sein, löst aber das Problem nicht. Der schwere Unfall im Hasenwinkel nach 16 Betriebsjahren spricht für sich.

Bei den nachfolgend aufgeführten Unfällen waren vier mit tödlichem Ausgang. Allerdings sagen die Quellen über die beiden Unfälle bei der Talfahrt am Schlossberg bei Mansfeld sehr wenig über Sach- und Personenschäden aus. Auf Grund der vorliegenden Fotos hat es mit Sicherheit Personenschäden gegeben.

Auffällig ist auch das Unfallgeschehen mit Kindern. Gründe hierfür könnten in der für die damalige Zeit "schnelle und lautlose" Kleinbahn sowie das Unterschätzen der Gefahr bei Eltern und Kindern vor einer Bahn sein. Bei den damals noch vorherrschenden Transportmitteln (Pferdefuhrwerke, Ochsengespanne, Handwagen und Schubkarren) war die Geschwindigkeit doch erheblich geringer bzw. die Fahrgeräusche deutlich lauter. Da nicht für alle Betriebsjahre der Kleinbahn Angaben zum Unfallgeschehen vorliegen, sind die Gesamtunfallzahlen vermutlich weit höher. Welche Eindrücke, Erinnerungen und Befürchtungen haben wohl all diese Unfälle und Betriebsstörungen bei den Anliegern an der Strecke hinterlassen? Sicher waren diese nicht gerade fahrgastfördernd und haben die angespannte Situation bei der Kleinbahn noch verschärft.

Datum unbekannt Schwerer Unfall in Eisleben vor der Mohrenapotheke

"Beim Befahren des Marktberges in Richtung Breiter Weg ereignete sich ein schwerer Unfall mit einem Wagenzug. Dabei löste sich der mitgeführte große Güter- und Gepäckwagen und rollte bis zur Kurve vor der Mohrenapotheke den Marktberg hinab. Hier endgleiste der Wagen, knickte einen Fahrleitungsmast um und kam unmittelbar rechts der Toreinfahrt vor der Hauswand auf der Seite zum Liegen. Die Ladung, bestehend aus Säcken, Ballen und Kisten lag vor der Toreinfahrt auf der Straße verstreut. Über den Grund des Abrisses sowie über Personenschäden und Datum liegen keine Angaben vor." [F03]

14. Mai 1900 Unfall in Eisleben, Bahnhofstraße

Am 14. Mai 1900, kurz nach der Betriebseröffnung der Bahnhofslinie, berichtet die Eisleber Zeitung von einem Vorfall in der Bahnhofstraße. Damals scheute das Pferd eines Arztes vor einem Triebwagen der Elektrischen Kleinbahn. Es machte plötzlich kehrt und lief die Straße hinab. Dabei stürzte der Wagen mit dem Arzt um und schleifte ihn ein Stück die Bahnhofstraße hinab. Die Verletzungen sollten aber nicht allzu schlimm gewesen sein. [Z04]

31. Dezember 1905 Schwerer Unfall in Eisleben, Hallesche, Ecke Bahnhofstraße

In der Neujahrsnacht vom 31. Dezember zum 01. Januar 1905, ereignete sich auf der Bahnhoflinie ein folgenschwerer Unfall. Die LDZ berichtet wie folgt: "In Höhe des Parkhotels sprang die Führungsstange eines die Straße herabkommenden Wagens aus dem Leitungsdraht. Die vereisten Gleise ließen den Wagen ins Gleiten kommen und da die Motorbremse infolge der Unterbrechung der Stromzufuhr nicht betätigt werden konnte, führ der Wagen mit steigender Geschwindigkeit die Straße hinab. In der Kurve an der Halleschen Straße schlug der Wagen um. Ein Todesopfer und neun, zum Teil Schwerverletzte waren zu beklagen. Erst als auf dieser Linie kleinere Wagen eingesetzt wurden, verminderte sich die Gefahr." [Z02]

Anmerkung: Mit kleinerem Wagen waren die zweiachsigen Triebwagen gemeint, die fortan auf dieser Linie zum Einsatz kamen.

18. Januar 1906 Unfall an der Schlange

"Aus Klostermansfeld wird ein schwerer Unfall gemeldet 'Von dem kurz vor 6 hier abfahrenden Motorwagen der Elektrischen Kleinbahn wurde in der sogenannten Schlange ein Ochsengeschirr des Amtes Leimbach überfahren. Dasselbe kam auf dem von Renndorf nach Leimbach führenden Wege in der Richtung nach dem Amte angefahren und wurde von dem Wagen der Elektrischen erfasst, der des großen Gefälles wegen nicht sofort zum Halten gebracht werden konnte. Der Ochsenwagen wurde zur Seite geschoben und zertrümmert und die Ochsen in den Straßengraben geworfen, doch haben sie Verletzungen nicht davongetragen.'" [K16]

29. Juni 1906 Unfall in der Bahnhofstraße in Eisleben

"Aus Eisleben wird gemeldet: 'Zum zweiten Mal hat sich heute an der Ecke Bahnhofstraße-Hallesche Straße ein Unfall der elektrischen Kleinbahn ereignet. Der kleine Motorwagen, der 6.30 Uhr vom Bahnhof kam, entgleiste und fuhr über das Trottoir, dessen Pflaster aufgerissen wurde, nach dem kleinen Kaiserhofe, wunderbarerweise ohne größeren Schaden anzurichten. Alle In-sassen, von denen zwei vorher absprangen, kamen mit dem Schrecken davon. Daß nicht größeres Unheil angerichtet wurde, ist dem Umstande zuzuschreiben, daß der Wagen gegen die an der Kaiserhofecke stehende Plakatsäule fuhr und dadurch mit aufgehalten wurde, sonst wäre das jetzt an dieser Stelle befindliche Gerüst, auf dem zurzeit nur ein Maler beschäftigt war, zum Einsturz gebracht worden...'" [K14]

03. Mai 1907 Unfälle in Helfta

Am 03. Mai 1907 ereignete sich in Helfta ein tödlicher Unfall. Die MZ schreibt: "Unglück in Helfta. Die Elektrische Kleinbahn überfährt den dreijährigen Sohn des Bergmanns Gottschalk, wobei den Wagenführer keine Schuld traf, wie allgemein versichert wurde. An der selber Stelle war vor Jahresfrist bereits ein dreijähriges Mädchen tödlich verunglückt." [K21]

09. März 1908 Unfall auf der Verbindungsstraße zwischen Helbra und Ziegelrode

"Am 09. März 1908, morgens gegen 9 Uhr kam es zu einem Zusammenstoß zwischen einen Elektrischen Wagen und einem Aschefuhrwerk auf der Verbindungsstraße zwischen Helbra und Ziegelrode. Das Fuhrwerk hatte trotz klingeln die Gleise noch kurz vor dem Wagen der Kleinbahn überquert und wurde von diesem erfasst. Der Unfall war eher leicht und es entstand nur geringer Sachschaden." [Z06]

Anmerkung: Diese Straße ist heute durch den Bahndamm der Anschlussbahn zur ehemaligen August-Bebel-Hütte, heute Industriegelände, unterbrochen und deshalb nicht mehr durchgängig befahrbar.

31. Juli 1909 Betriebsstörung in Hettstedt vor dem Gasthof "Graf Waltersee"

Die Hettstedter Zeitung berichtet in ihrer Ausgabe vom 31. Juli 1909 von einer Betriebsstörung der Elektrischen Kleinbahn im Bereich der Weiche vor dem Gasthof "Graf Waldersee" in Hettstedt, heute etwa der Bereich schräg gegenüber der Klubhaustreppe in der Mansfelder Straße. Die Zeitung schreibt: „Hettstedt, 30. Juli. Gestern Abend ½ 6 Uhr sprang auf der Weiche vor dem Gasthof "Graf Waldersee" in Burgörner der aus der Richtung Mansfeld kommende elektrische Wagen aus den Schienen und zwar derart, dass beide Geleise gesperrt waren. Sie frei zu machen, bedurfte es der Hebung des Wagens durch Winden. Verletzt ist niemand. Materialschaden dürfte auch kaum entstanden sein. Der Betrieb erlitt eine mehrstündige Störung." [Z01]

03. März 1910 Zusammenstoß zweier Motorwagen in Mansfeld

"Zwei Motorwagen der Elektrischen Kleinbahn stoßen zwischen 8 und 9 Uhr in Mansfeld im dichten Nebel zusammen. Dabei wird der Wagenführer Lessig aus Klostermansfeld schwer verletzt, Oberschenkelbruch. 'Bei der ungeheuren Gewalt, mit welchem der Zusammenstoß erfolgt ist und durch den die Vorderteile beider Wagen vollständig zertrümmert wurden, ist es fast ein Wunder, dass das Unglück keine Menschenleben forderte', heißt es in der Chronik. Als Unglücksursache wurde der Nebel angesehen, es war allerdings auch von Verletzung der Betriebsvorschriften die Rede. Denn sonst hätten unmöglich zwei Wagen auf der eingleisigen Strecke aufeinander zu fahren können. Einer der beiden Wagen war ein Werkstattwagen, wieso dieser nicht auf den Gegenverkehr gewartet hat, blieb unklar, weil sich die Aussagen des Personals dazu widersprachen." [K13]

08. Januar 1911 Unglück in Kreisfeld vor dem Gasthof 'Erholung'

"Elektrische Kleinbahn erfasst einen Mann, der auf dem Gleis lag und verletzt ihn tödlich. In der Kreisfelder Chronik heißt es dazu: 'Als am Abend der vierte! neun vom Eisleber Plan abgehende Tourenwagen der elektrischen Kleinbahn in die Nähe der 'Erholung' kam, sah plötzlich der Führer desselben auf dem Gleis einen Mann liegen. Er bremste sofort, doch wurde der Mensch von dem Wagen erfaßt und eine Strecke weit mitgeschleift. Man hob ihn nun auf und nahm ihn bis nach Hergisdorf mit. Dort wurde er von einem nach Eisleben fahrenden Bergmannswagen aufgenommen und im Krankenhaus daselbst abgegeben. Es stellte sich heraus, daß der Verunglückte ein auf der Krughütte arbeitender, in den dreißiger Jahren stehende Hüttenmann Sünnkoß von hier außer anderen Verletzungen eine Wunde an der Schläfe erhalten hatte.' Wie der Mann, der bald darauf starb und eine Frau mit sechs Kindern hin-terließ, auf das Gleis kommen konnte, blieb unklar." [K01]

04. April 1911 Betriebsstörung in Eisleben wegen eines defekten Fuhrwerkes

In der Eislebener Bahnhofstraße kam es am 04. April 1911 zu einer Behinderung des Betriebsablaufes bei der Kleinbahn. Der Chronist schreibt: "Ein defektes Fuhrwerk blockierte die Gleise der Bahn und musste mit einer Winde zur Seite geschafft werden." [K20]

Anmerkung: Fuhrwerke und Handwagen waren zu dieser Zeit die bestimmenden Verkehrsmittel.

08. Juli 1911 Betriebsstörung im Raum Klostermansfeld und Hettstedt

Am 08. Juli 1911 ging im Gebiet zwischen Hettstedt und Klostermansfeld ein schweres Gewitter nieder, so das Kalenderblatt der MZ von 2011. Dabei wurde ein Wagen vom Blitz getroffen und mehrere Fahrzeuge wurden durch zu geschwemmte Gleise beschädigt. Es kam zu erheblichen Verspätungen. [K23]

15. Juli 1911 Schwerer Unfall in Leimbach

Von einem tragischen Unfall aus Leimbach berichtet die MZ unter der Rubrik "Kalenderblatt". Dort steht, "dass am 15. Juli 1911 ein vierjähriger Junge in der Nähe der Gewerkschaftlichen Bahnbrücke von der Kleinbahn erfasst und schwer verletzt wurde. Das Kind verlor dabei seinen rechten Arm. Die Behandlung erfolgte im Knappschaftskrankenhaus Hettstedt. Nach dem Bericht soll das Kind so zur Bahn gelaufen sein, dass der Wagenführer es nicht sehen konnte und erst gebremst hat, nachdem die Passanten Schreckensrufe ausgestoßen haben." [K24]

Die Gewerkschaftliche Bahnbrücke und der zugehörige Bahndamm über die heutige Friedensallee (B 86) sind nicht mehr vorhanden. Die Brücke selbst befand sich etwa 300 m nach dem Viadukt der Wippertalbahn in Richtung Großörner. Der Viadukt war zur Zeit des Unfalles noch nicht errichtet.

27. Juli 1911 Unfall in Helbra

"Nach der Helbraer Chronik kam es am 27. Juli 1911 nachmittags gegen 4 Uhr auf dem Streckenabschnitt Helbra – Bad Anna zu einem Unfall mit einem zweijährigen Kleinkind. Hinter einer Kurve spielte das Kind auf den Schienen. Trotz Läuten und Bremsen kam der Triebwagen erst über dem Kind zum Stehen. Es hatte sich hingelegt und wohl auch zur Seite gedreht. Man fand es neben den Gleisen. Wie durch ein Wunder, blieb es unversehrt." [K25]

19. September 1911 Schwerer Unfall in Eisleben, Nähe Gasthof "Zur Wartburg"

Das "Eisleber Tageblatt" vom 19. September 1911 beschreibt den Unfall sehr ausführlich. "Danach befand sich der Bäckermeister Ortlieb aus Helbra mit seinem Brotwagen am 18. September kurz nach 8 auf dem Heimweg von Eisleben. Dabei verunglückte sein Brotwagen mit einem Motorwagen (Anmerkung: gemeint war ein Triebwagen der Kleinbahn), welcher in gleicher Richtung fuhr. Dabei wurde er vom Kutschersitz auf die Straße geschleudert und verletzte sich schwer am Kopf. Tags darauf verstarb er im Städtischen Krankenhaus (Anmerkung: heute Helios-Klinik Eisleben). Der Unfall ereignete sich auf der Eislebener-Wimmelburger Chaussee (Anmerkung: heute Kasseler Straße) zwischen der Wartehalle der Kleinbahn unterhalb der Gaststätte "Zur Wartburg" und dem Laboratorium der Mansfelder Gewerkschaft (Anmerkung: Heute befindet sich hier eine Tankstelle)." [K19]

06. Dezember 1911 Unfall in Großörner

"Unfall in Großörner, die Elektrische Kleinbahn fährt ein kleines Kind an. In der Chronik heißt es dazu: 'Der etwa dreijährige Sohn Karl des Gastwirtes August Schröder spielte hier am Nachmittag auf der Straße, als der Motorwagen der Elektrischen Kleinbahn nahte. Im letzten Moment wollte das Kind noch über die Schienen laufen, wurde aber vom Wagen zu Boden geworfen und am Kopf nicht unerheblich verletzt. Zum Glück ereignete sich der Vorfall knapp vor der Haltestelle, sodaß es dem Wagenführer, infolge der bereits verminderten Geschwindigkeit gelang, den Wagen sofort anzuhalten. Hätte sich der Wagen in voller Fahrt befunden, so wäre das Kind kaum mit dem Leben davongekommen.'" [K10]

1912 Schwerer Unfall bei Mansfeld im Hasenwinkel

1912 ereignete sich bei der Talfahrt vom Schlossberg nach Mansfeld im sogenannten Hasenwinkel ein schwerer Unfall. Die Trasse hat hier eine ca. 1000 m lange Gefällestrecke mit einer scharfen Kurve. Bei diesem Unfall entgleiste trotz Führungsschiene ein Triebwagen und kam auf der Seite zu liegen. Über Personen- und Sachschäden liegen keine weiteren Angaben vor. [Z02]

01. August 1912 Unfall in Eisleben auf dem Marktberg

"Am 01. August 1912 ereignete sich auf dem Eisleber Marktberg ein Unfall mit dem Pferdefuhrwerk des Händler Franz. Dieser fuhr 'scharf' den Marktberg herunter und kam dabei ins Schleudern. Dabei stürzte das Gefährt auf das Gleis der Kleinbahn. Zu gleicher Zeit fuhr ein Motorwagen den Marktberg herab und kollidierte mit dem zuvor aufgerichteten Fuhrwerk. Das Fuhrwerk stürzte erneut um. Pferd und Wagen wurden nur leicht beschädigt. Jedoch die Ladung Heidelbeeren landete auf der Straße. Der Unfall hatte eine sehr große Menschenmenge angelockt." [K27]

03. August 1912 Beinaheunfall in Mansfeld in der Schlossstraße

Am 03. August 1912 ereignete sich in der Mansfelder Schlossstraße ein Beinaheunfall. Der Chronist berichtet: "Am Abend entgleiste der halb zehn Uhr von Hettstedt kommende Wagen der Elektrischen Kleinbahn fiel auf die Schienen, der Wagen fuhr bis 1 Meter vor des Schlossermeister Dittmar'sche Haus, vor dem die Bewohner, den schönen Sommerabend genießend, saßen. Glücklicherweise ist von den Passagieren, die tüchtig zusammengeschüttelt wurden, als der Wagen auf dem Pflaster einherfuhr, niemand verletzt und auch die ahnungslos vor der Tür Sitzenden sind mit dem Schrecken davongekommen, der allerdings sehr groß war, als plötzlich unter Donnergepolter der Vorderperron mit seinen Scheinwerfer vor ihnen stand." [K26]

13. August 1912 Unfall in der Helbraer Chausseestraße

Im Kalenderblatt der MZ vom 13. August 2012 wird folgendes berichtet: "Am selben Tag (Anmerkung: gemeint ist der 13. August 1912) hat der Fleischermeister Paul Vopel aus Helbra vor Gericht mit seiner Berufung gegen ein Urteil Erfolg, das von ihm wegen Eisenbahntransportgefährdung 50 Mark Geldstrafe verlangte. Er wird freigesprochen. Der Fleischer war am 30. Dezember 1911 in der Helbraer Chausseestraße mit seinem Fuhrwerk mit der Elektrischen Kleinbahn zusammengestoßen, weil er angeblich zu schnell gefahren sei. Die Unfallstelle wurde von jeher als gefährlich angesehen, 600 Helbraer unterzeichneten eine Petition, in der sie dort eine Haltestelle forderten." [K30]

01. Oktober 1912 Vierjähriges Mädchen von der Elektrischen überfahren

"Gestern wurde in der Bahnhofsstraße zu Hettstedt das etwa vierjährige Töchterchen des Spediteurs Gottschalk von dem um 6 Uhr nachmittags in der Richtung Mansfeld fahrenden Wagen der Elektrischen Kleinbahn überfahren und sofort getötet. Der Führer des Wagens soll keine Schuld tragen; das Kind wollte dicht vor dem Wagen über die Straße laufen." [K17]

23. Oktober 1912 Klostermansfeld, Zentrale: Unfälle in beängstigender Weise

"Am selben Tag heißt es aus Klostermansfeld, dass sich die Unfälle der Elektrischen Kleinbahn in 'beängstigender Weise' gemehrt hätten. Es vergehe fast kaum noch eine Woche, in der nicht ein Unfall zu verzeichnen gewesen wäre. [K09]

27. Oktober 1912 Störung durch Stromausfall

"Betriebsstörung der Elektrischen Kleinbahn im Mansfelder Revier. Der Chronist notiert: 'Zum Schrecken der Passagiere versagten abends 8,15 Uhr die Wagen ihren Dienst und blieben teils auf freier Strecke stehen. Die Leitung war ohne Strom. Nach langem Warten zogen es die Mitfahrenden vor, ihren Weg zu Fuß zurückzulegen. Ihre Geduld wäre auch auf eine harte Probe gestellt worden, denn die Störung, deren Ursache ein schadhafter Kessel in der Maschinenanlage gewesen sein soll, dauerte 2 Stunden. Auch Gewerbebetriebe waren von dem Stromausfall betroffen. In den hiesigen Kinos mußten die Vorstellungen unterbrochen werden und die Direktionen waren gezwungen, das erhobene Eintrittsgeld wieder zurückzuzahlen.'" [K11]

21. Dezember 1912 Unfall in Hettstedt/Benndorf

"In Hettstedt fährt um die Mittagszeit vor dem Haus der Witwe Gobisch die Elektrische Kleinbahn gegen das Auto des Königlichen Kreistierarztes Mette, das auf der Schiene stand. Das Auto kam nicht rechtzeitig weg, weil der Chauffeur den Gang nicht reinbekam, die Elektrische konnte nicht rechtzeitig stoppen, weil die Bremsen zu schwach waren, so dass dem Auto der Kotflügel abgerissen wurde. In Benndorf notiert der Chronist: 'Am Abend gegen 6 Uhr hatte der Kutscher des Eisenbahnspediteurs Jesau zwei leere Wagen zusammengekoppelt. Auf dem ziemlich steilen Wege löste sich der hintere Wagen und fuhr auf das Gleis der Elektrischen Kleinbahn. In dieser Zeit kam der Motorwagen von Helbra. Die Halterufe des Kutschers wurden nicht gehört und der Motorwagen fuhr den Rollwagen in Trümmer. Den Führer des Motorwagens trifft keine Schuld.'" [K12]

17. Januar 1913 Schöffengericht in Eisleben

"Das Schöffengericht Eisleben teilt mit: 'Der Motorwagenführer Fritz Pilz zu Bahnhof Mansfeld und der Geschirrführer Friedrich Illmer zu Eisleben werden von der Anklage, am 2. Oktober 1912 in der Nähe der Krughütte fahrlässigerweise einen Zusammenstoß mit Motorwagen der Elektrischen Kleinbahn und Lastwagen herbeigeführt zu haben, freigesprochen.'" [K04]

25. Januar 1913 Achsenbruch in Helfta

"Betriebsstörung der Elektrischen Kleinbahn in Helfta. Ein Motorwagen war am Nachmittag auf dem Weg nach Eisleben mit einem Defekt stehen geblieben. In der Chronik heißt es dazu: 'Der um 5 Uhr von Helfta nach Eisleben fahrende Wagen erlitt an der Feldweiche einen Achsenbruch und mußte liegen bleiben. Gegen 9 Uhr hatte man notdürftigen Ersatz geschaffen, sodaß die Weiterfahrt in das Depot erfolgen konnte. An der 'Erholung' in Creisfeld mußte der Wagen abermals liegen bleiben und hinderte den durchgehenden Verkehr, denn die nachfolgenden Wagen mußten warten und rückten erst gegen 4 Uhr morgens ein. Der Verkehr wurde durch Umsteigen aufrecht erhalten." [K05]

06. Februar 1913 Mansfeld, Gerichtssaal

"Aus dem Gerichtssaal in Mansfeld wird gemeldet: 'Unter großem Andrang des Publikums wurde gegen den Wagenführer Karl (...) aus Ziegelrode, welcher am 20. Oktober 1912 das Eisenbahnunglück der elektrischen Kleinbahn im Hasenwinkel bei Mansfeld verschuldet hat, verhandelt.' Bei dem Unfall waren fünf Personen verletzt worden. Der Beschuldigte war eigentlich Schaffner, doch um eine Verspätung von 15 Minuten aufzuholen, nahm er dem Wagenführer die Führung ab, löste an abschüssiger Stelle die Bremse, so dass der Wagen an Fahrt gewann, ins Schleudern geriet und vor der Kurve entgleiste. Wäre der Wagen nicht von einem im Wege stehenden Mast aufgehalten worden, wäre er einen zehn Meter hohen Damm hinunter gekippt. Der Amtsanwalt forderte sechs Monate Gefängnis, das Gericht verhängte drei Monate." [K15]

22. März 1913 Unfall zwischen Helbra und Ziegelrode

"Am selben Tag ereignet sich zwischen Helbra und Ziegelrode ein schwerer Unfall. Die Elektrische Kleinbahn stößt mit einem Pferdewagen zusammen, 'Hierbei wurde der etwa 12 Jahre alte Sohn des Bergmanns Stange, der auf dem Schüttwagen gestanden hat, schwer verletzt, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird', schreibt der Chronist." [K08]

27.06.2013 Unfall in Ahlsdorf

Am 27. Juni 1913 ereignete sich in Ahlsdorf ein tragischer Unfall eines Kindes mit der Kleinbahn. Der Chronist berichtet: "Als heute mittag 1 Uhr der zehnjährige Sohn des Konditoreibesitzers Wille die Elektrische zur Fahrt nach Eisleben benutzen wollte, geriet er unter die Räder des elektrischen Wagens, sodass ihm ein Fuß fast abgefahren wurde. Nach Anlegen eines Verbandes wurde der Junge in eine Klinik nach Halle gebracht." [K28]

Anmerkung: Offen blieb die Frage, weshalb ein zehnjähriges Kind offenbar allein mit der Kleinbahn nach Eisleben fahren wollte?

13.07.1913 Selbstmord in Eisleben

"Die Dienstmagd ... von hier, die sich in einem hiesigen Hotel des Diebstahls schuldig gemacht hat, stürzte sich am Nachmittag in selbstmörderischer Absicht aus ihrem Kammerfenster vom Dache des Hotels herunter. Das Mädchen fiel dabei auf den Draht der elektrischen Bahn, überschlug sich und stürzte auf das Straßenpflaster, wo es schwer verletzt liegenblieb. Es wurde durch die Polizei sofort aufgehoben und nach dem städtischen Krankenhaus gebracht. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt." [K03]

03.08.1913 Unfall in Leimbach auf der Hohenleitener Weiche

"Aus Leimbach wird ein Unfall der Elektrischen Kleinbahn gemeldet. Wir lesen: 'Am Abend geriet an der Weiche an der Hohenleite ein Anhängewagen in der Richtung von Hettstedt nach Mansfeld auf ein falsches Gleis und kam in Gefahr umzustürzen, wenn er nicht mit seiner oberen Kante an dem Mast eine Stütze gefunden hätte. Die Sache verlief glimpflich, verletzt wurde niemand.' Am selben Tag wurde laut Chronik ein zweijähriges Kind von einem Wagen der von Mansfeld nach Leimbach fahrenden Elektrischen Kleinbahn erfasst und gegen den Bordstein geworfen, wobei es schwere Kopfverletzungen erlitt." [K02]

11. September 1913 Betriebsstörungen in Helfta

Am 11. September 1913 gegen 9 Uhr kam es wegen eines Achsbruches zu einer 3-stündigen Unterbrechung des Verkehrs. Der Wagen war auf dem Weg von Helfta nach Eisleben, als eine Achse in der Nähe der Feldweiche Helfta gegenüber der Schirmeisterschen Gärtnerei brach. Weiter wurde berichtet, dass es bereits am Freitag (Anmerkung: 05.09.1913) auf gleicher Strecke und aus gleichem Grunde zu einer längeren Betriebsunterbrechung kam. [K29]

19. Februar 1914 Unfall in Hettstedt am Markt

"Die elektrische Kleinbahn kollidiert in Hettstedt am Markt mit einem Pferdefuhrwerk, wobei 'wieder ein Menschenleben in schwere Gefahr geriet', wie es in der Chronik heißt. Weiter lesen wir: 'Die Handelsfrau Anna Elendrich aus Sandersleben fuhr mit ihrem Einspännergeschirr vom Merkt in die Bahnhofstraße ein, als der Motorwagen von oben kam. Der Einspänner mußte halten, weil vor dem Barth'schen Getreidegeschäft eine lange Reihe Wagen stand. Im Vorbeifahren faßte die Elektrische den Einspänner derart, daß durch den Ruck die Frau heraus und direkt auf die Schienen geschleudert wurde. Die Frau wäre zweifellos überfahren worden, wenn sie sich nicht in die Zügel verwickelt hätte und dadurch, daß ihr Pferd auf den Bürgersteig hinübersprang, aus der gefährlichen Lage fortgerissen wäre.'" [K07]

03. April 1914 Unfall in Hergisdorf

"Aus Hergisdorf wird nach einem Unfall an der Haltestelle der Elektrischen Kleinbahn berichtet: 'Der 13-jährige Sohn des Herrn Dr. Czech-Helbra, welcher sich auf der Fahrt zur Schule nach Eisleben befand, geriet mit den Füßen in das Bremsgestell des Wagens, wobei der eine Fuß gebrochen wurde. Dieser bedauerliche Unfall soll sich laut Augenzeugen wie folgt zugetragen haben: Mit dem Zeichen zur Abfahrt wurde auch vom Hinterperron das Glockenzeichen gegeben, worauf der Wagen abfuhr. Kaum hatte er sich in Bewegung gesetzt, wurde der Wagenführer zum Anhalten veranlaßt, weil ein Schüler mitgeschleift wurde. Der Führer hielt sofort an. Der Schüler lag mit dem Oberkörper neben dem Wagen, während die Füße am Bremsgestell festgeklemmt waren, aber ohne große Mühe befreit werden konnte. Auf die Frage, wie der Unfall entstanden sei, habe er geantwortet, daß er allein die Schuld trage. Weitere Zeugen bekundeten, daß der Schüler selbst das Abfahrtssignal gegeben habe.'" [K06]

1916 Unfall in Eisleben auf dem Breiten Weg

"Im Jahr 1916 ereignete sich in Eisleben, Breiter Weg auf Höhe der Arche ein Unfall zwischen der Elektrischen Kleinbahn und einem Pferdefuhrwerk. Bei der Fahrt in Richtung Markt rammte die Kleinbahn ein Pferdefuhrwerk und drückte dieses gegen die gusseiserne Arche. Dabei wurde das Becken beschädigt und musste als Schrott verkauft werden. Ob bei diesem Unfall Personen und Pferde zu Schaden gekommen sind, ist nicht überliefert." [F04]

"Am 19. Mai 1916 bewilligten die Eisleber Stadtverordneten 500 M für die Errichtung einer neuen Arche aus Eisenbeton als Ersatz der zertrümmerten gusseisernen Arche." [K22]

20. August 1916 Schwerer Unfall bei Mansfeld im Hasenwinkel

Am 20. August 1916 ereignete sich im Hasenwinkel ein weiterer schwerer Unfall. Dabei wurde das Dach des Triebwagens komplett abgerissen. Über Personenschaden liegen auch hier keine Angaben vor. Ein Foto von der Unfallstelle zeigt den erheblichen Sachschaden, der wohl nicht ohne verletzte Personen abgegangen sein dürfte. [F03]



Quellen:
[F01]: Zentrale: Elektrische Kleinbahn im Mansfelder Bergrevier, Dienst-Vorschriften für das Fahrpersonal, Klostermansfeld, ca. 1900.  in: FW
[F02]: Liebmann, A.: Die Klein- und Straßenbahnen (Bde. Reihe: Aus Natur und Geisteswelt, Band 322), Berlin: Teubner-Verlag, 1910.  in: G
[F03]: Zeddel, M., & Dr. Knitzschke, G. (2000). Die Elektrische Kleinbahn im Mansfelder Land.  in: OU
[F04]: Wäsche, T.: Die Wasserversorgung der Stadt Eisleben, Eisleben: Selbstverlag, 2011.  in: U
[K01]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 08.01.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K02]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 03.08.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K03]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 13.07.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K04]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 17.01.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K05]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 25.01.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K06]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 03.04.2014, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K07]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 19.02.2014, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K08]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 22.03.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K09]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 23.10.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K10]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 01.10.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K11]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 27.10.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K12]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 21.12.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K13]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 03.03.2010, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K14]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 29.06.2006, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K15]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 06.02.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K16]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 18.01.2006, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K17]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 01.10.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K18]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 22.05.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: G
[K19]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 14.10.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K20]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 04.04.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K21]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 03.05.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K22]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 19.05.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K23]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 08.06.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K24]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 15.06.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K25]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 27.06.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K26]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 03.08.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K27]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 01.08.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K28]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 27.06.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K29]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 11.09.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K30]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 13.09.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[Z01]: Hettstedter Zeitung vom 31.06.1909.  in: AU
[Z02]: Liberal-Demokratische Zeitung vom 26.03.1983.  in: AU
[Z03]: Eisleber Zeitung vom 03./04.03.1945.  in: G
[Z04]: Eisleber Zeitung vom 14.05.1900.  in: G
[Z05]: Eisleber Tageblatt vom September 1910.  in: G
[Z06]: Amtsblatt des Mansfelder Seekreises Jahrgang 1908, 09.03.1908  in: U
[P01]: nach Helmut Tönau.  in: A
[P02]: Mundartdichter Franz Kolditz (*11.09.1873, †13.05.1947)  in: G
[P03]: Mundartdichter Kurt Zeising (*16.02.1921, †30.03.2008)  in: G